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Design Thinking macht Schülerfirma

Innerhalb von drei Tagen finden 24 Schüler sowohl eine Produktidee als auch eine Umsetzungsstrategie für ihre eigene Schülerfirma

Herausforderung: Entwickle ein Produkt oder Service, mit dem das Leben von Jugendlichen in deiner Region verbessert werden kann.

Teilnehmer: 24 Schüler aus dem Sozialkundekurs der Klasse 11 des Albert-Einstein-Gymnasiums Frankenthal

Dauer: 3 Tage

Anfang September 2016. Die 11. Klasse des Frankenthaler Albert-Einstein-Gymnasiums kommt heute aus einem ganz besonderen Grund nach Weinheim: In nur drei Tagen werden die 24 Schüler eine Idee für eine eigene Schülerfirma finden und einen Plan entwickeln, wie sie diese, gemeinsam mit ihrem Sozialkundelehrer, innerhalb des nächsten Schuljahres  zum Leben erwecken. Die Schüler sind dabei natürlich nicht alleine. Die Berliner Innovationsberatung INNOKI hat im Auftrag der HOPP FOUNDATION eigens für den Schülerfirma Workshop ein Konzept entwickelt und fünf erfahrene Coaches geschickt, die den Jugendlichen während der nächsten drei Tage zur Seite stehen. Der Prozess, der den Frankenthaler Schülern dabei hilft auf eine gute Idee für die Schülerfirma zu kommen, heißt Design Thinking. Und was genau, ist das?

Design Thinking ist ein Werkzeugkasten für Teams um in schnellen Sprints Lösungen für komplexe Probleme zu erarbeiten. Was Design Thinking grundsätzlich von anderen Arbeitsmethoden unterscheidet, ist der nutzerzentrierte Ansatz. Das heißt: Ideen werden nicht einfach ins Blaue hinein entwickelt, sondern orientieren sich immer an ganz konkreten menschlichen Bedürfnissen.

Der Design Thinking Prozess beginnt mit einer Herausforderung. Um zu verstehen, welche spezifischen Bedürfnisse hinter der Herausforderung stecken, bauen die Teams zunächst Empathie für potentielle Nutzergruppen auf. Dies geschieht in erster Linie durch qualitative Interviews. Die hierbei identifizierten Bedürfnisse werden als Sprungbrett für die Ideenentwicklung genutzt. Vielversprechende Lösungsideen werden als Prototypen umgesetzt und direkt am Nutzer getestet. Beim Testen zeigt sich schnell ob die Idee ein wirkliches Nutzerbedürfnis trifft. Falls nicht, haben die Teams sofortige Ansatzpunkte, was verändert werden muss, um die Lösung optimal an die Bedürfnisse des Nutzers anzupassen.

Design Thinking setzt auf starke Teams. Denn wer mit Design Thinking arbeitet, macht das nicht alleine, sondern in einem Team von 4-6 Personen. Am besten ist es, wenn alle Teammitglieder unterschiedliche Stärken haben, also eine gewisse Diversität mitbringen. Deswegen eignet sich Design Thinking auch besonders gut für Schüler, denn in einer Schulklasse ist die Diversität von vornherein gegeben: die eine ist stark in Mathe, der andere arbeitet lieber kreativ und die dritte kennt sich schon mit Webdesign aus. Die Unterschiedlichkeit der Teilnehmer wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der Ideen aus. Doch nicht nur das. In einem Team mit ganz unterschiedlichen Teilnehmern, lernen die Mitglieder auch, was Teamkompetenz bedeutet: gemeinsam zu einer Lösung kommen, auf Augenhöhe miteinander arbeiten, Kritik zurückstellen und sich gegenseitig konstruktiv Feedback zu geben.

Tag 1:

Am ersten Tag steht für die 24 Frankenthaler Schüler ein Produkt-Sprint mit Design Thinking auf dem Programm. Das heißt: Um 17:00 Uhr sollen die ersten Ideen für die Schülerfirma präsentiert werden. Und wie schafft man das in so kurzer Zeit? Zunächst werden die Schüler in 5 Teams aufgeteilt. Jedes Team wird von einem Coach betreut, der darauf achtet, dass das kreative Potenzial jedes Einzelnen zur vollen Entfaltung kommt. In den Teams einigen sich die Schüler zunächst darauf, was sie an der Fragestellung besonders reizt. Danach geht das darum, Empathie für die zukünftigen Nutzer der Schülerfirma aufzubauen. Was sind die Bedürfnisse von den Jugendlichen aus der Region? Um das herauszufinden, befragen sich die Schüler gegenseitig, führen sogenannte Empathie-Interviews miteinander. Die Ergebnisse der Interviews werden zu einer Persona verarbeitet. Das ist eine fiktive Person, die exemplarisch für die Bedürfnisse des Nutzers steht. Diese wiederum ist eine große Hilfe bei der Ideenentwicklung: Während die Schüler ihrer Kreativität im Brainstorming freien Lauf lassen, erinnert die Persona immer wieder daran, für welches Bedürfnis, welches Problem, gerade eine Lösung entwickelt wird. Anschließend sucht sich jedes Team seine Lieblingsidee aus und setzt diese in einen simplen Prototypen um. Hier geht es nicht darum, perfekt zu sein, sondern vielmehr, die Idee aus dem Kopf in die Realität zu bringen und mit den Händen weiterzudenken. Die Prototypen sind Grundlage für die Präsentationen. Und voilà: Innerhalb von nur einem Tag haben die 24 Jugendlichen fünf nutzerzentrierte Ideen entwickelt.

Tag 2:

An Tag 2 geht es zunächst darum, die entwickelten Ideen zu testen. Anhand ihrer Prototypen befragen sich die Schüler gegenseitig, um das Potenzial ihrer Ideen besser abschätzen zu können. Nach dem Test geht es in die Iterationsphase - das heißt die Ideen werden auf Basis der Testergebnisse noch einmal angepasst. Nach der Präsentation der weiterentwickelten Ideen stehen die Schüler vor einer schwierigen Situation: Welche der Ideen wollen sie im Laufe des nächsten Jahres als Schülerfirma umsetzen? Das Ergebnis ist eindeutig - die Schüler entscheiden sich für die Umsetzung einer eigenen Kaffee-Röseterei.

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, wird der Rest des Tages dazu genutzt, die ersten Umsetzungsschritte für die Schülerfirma in die Wege zu leiten. Dafür sind im Raum vier verschiedene Stationen aufgebaut, an denen sich die Schüler mit wichtigen Aufgaben einer Firma auseinandersetzen: Wertangebot und Kundenversprechen, Produktion und Herstellung, Vertrieb, Marketing und Kommunikation und Finanzen. Die fünf Themen werden an den einzelnen Stationen mit Hilfe eines Coaches bearbeitet. So verschaffen sich die Schüler einen Überblick, was bei der Umsetzung einer Firma alles auf sie zukommen wird.

Tag 3:

Am dritten Tag geht es darum, die Umsetzung der Firma zu konkretisieren. In fünf verschiedenen Teams werden Umsetzungs-Protoypen erstellt, die den Jugendlichen dabei helfen sollen, das Schuljahr besser zu planen und die Arbeit an der Schülerfirma zu strukturieren. Dabei entstehen: Ein Businessmodel Canvas, indem das Geschäftsmodell dezidiert festgehalten wird, ein Board, an dem die Wünsche und die Visionen für das nächste Jahr festgehalten werden, ein Zeitplan mit visualisierten Meilensteinen sowie erste Entwürfe für die Verpackung des Kaffees.

Am Ende des Workshops gehen die Schüler nicht nur mit einer Produktidee, sondern auch mit einem konkreten Umsetzungsplan für das kommende Schuljahr nach Hause. Darüber hinaus haben sie ganz praktisch erfahren, wie der Design Thinking Prozess funktioniert und wie wertvoll Teamarbeit ist. Durch den Fokus auf die strategische Umsetzung habe die Schüler zudem einen Einblick in betriebswirtschaftliche Abläufe eines Unternehmens erhalten. Und das alles in nur drei Tagen.

Das sagen die Schüler nach dem Workshop

 "Mit unseren Coaches zusammen haben wir gelernt offener zu sein und besser miteinander zu arbeiten. Vor den drei Tagen, die wir in Weinheim verbrachten, waren wir ein Kurs indem sich die Leute kaum kannten. Danach wurden wir zu einer Gemeinschaft, zu einer Firma."

 "Die Professionalität der Coaches hat mich sehr beeindruckt. Ein weiterer positiver Punkt ist dass wir uns alle ernst genommen gefühlt haben. Mir hat auch gut gefallen, dass wir unserer Kreativität freien Lauf lassen konnten und dabei noch Lösungen für Probleme gefunden haben."

 Und das sagt der Lehrer

"Toll! Die Schülerinnen und Schüler waren im Workshop unglaublich motiviert. Durch die tollen Methoden und die super Coaches sind wir unserem Ziel eine erfolgreiche Schülerfirma zu werden, einen großen Schritt näher gekommen. Hier wurden zu Kreativität und Problemlösemechanismen so viele Anreize gesetzt, dass viele Hürden einer Firmengründung schnell genommen waren. Die Art des Denkens hat mich auch für den Schulalltag eingenommen."  Frank Ipsen

 

 

 

 

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