Was genau ist Design Thinking?

Design Thinking ist ein Innovationsansatz, der interdisziplinäre Teams in der kreativen Entwicklungsarbeit unterstützt und ihnen die Chance gibt, Feedback und Fehlerkultur in der gemeinsamen Arbeit neu zu erleben.

Design Thinking ist eine Methode um komplexe Probleme und Aufgabenstellungen zu lösen und hierfür innovative Ideen zu entwickeln. Dabei stehen Empathie und Verständnis im Vordergrund. Design Thinking kann hierbei mit „erfinderischem Denken“ umschrieben werden.

Eine gängige Weise an Probleme oder Herausforderungen heranzugehen, ist es diese zu benennen, Lösungsvorschläge zu sammeln, sich für einen davon zu entscheiden und diesen im Anschluss umzusetzen. Dies erfordert in der Regel zwar ebenfalls, wie beim Design Thinking angedacht, ein Gruppendenken, führt jedoch in den meisten Fällen zu einem weniger intensiven Gedankenaustausch, der in der Folge weniger Innovation zulässt und sich bei der Lösung auf das Naheliegende beschränkt. Aufgaben können so zwar gelöst werden, doch bleibt dabei meist eine optimale oder eigene innovative Lösung auf der Strecke. Denn neue Wege entstehen hierbei nicht selten durch das Kopieren und gegebenenfalls Weiterentwickeln vorhandener und bekannter Techniken oder Ressourcen.

Was macht Design Thinking so erfolgreich?

Henry Ford sagte einmal über die Entwicklung seiner Innovation: „Wenn ich gefragt hätte, was die Menschen wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“

Damit umschreibt der legendäre Automobilhersteller indirekt die Arbeitsweise des Design Thinking gegenüber konventionellen Lösungsmethoden. Zwar wären schnellere Pferde in der Tat ein erster Lösungsansatz für die Problematik und Wünsche der Menschen gewesen, um sich damit schneller von A nach B bewegen zu können, die Erfindung des Automobils dagegen brachte einen weitreichenden Schwung in das Transportwesen der damaligen Zeit und ermöglichte viel mehr als man sich bis dahin vorstellen konnte.

Nun könnte man behaupten, dass sich große Erfinder wie Carl Benz oder der Amerikaner Ford über die Wünsche der Allgemeinheit hinwegsetzten oder diese gar ignorierten, doch war es gerade Henry Ford, der ebenso davon überzeugt war, dass sich das Geheimnis des Erfolges darin verbirgt, den Standpunkt des anderen nachzuempfinden.

Design Thinking baut darauf auf, die Grundproblematik zu verstehen und sich in die Welt der Betroffenen hineinzuversetzen. Dieser Empathieprozess soll dazu führen, eine Lösung für eine Fragestellung zu finden, die unter Umständen von den Betroffenen selbst noch nicht gänzlich erfasst oder ausgedrückt werden konnte. Daher zielt Design Thinking darauf ab, Herausforderungen nicht nur auf technischer oder wirtschaftlicher Ebene zu betrachten, sondern in der Betrachtung eine Balance zwischen Mensch, Technik und Wirtschaft herzustellen. Zumal nur in diesem Zusammenspiel ausreichend Raum für Innovation und Kreativität geschaffen werden kann.

Somit steht der Mensch beim Design Thinking im Fokus und bildet den Ausgangspunkt für alle weiteren Gedankenspiele und Entwicklungen.

Wer arbeitet beim Design Thinking zusammen?

Die geheime Zutat des Design Thinking ist der individuelle Mensch. Der Entwicklungsprozess wird durch das Zusammenspiel der am Design Thinking teilnehmenden Personen vorangetrieben. Unterschiedliche Denkweisen eines multidisziplinären Teams können dazu führen den Gedankenraum zu erweitern und die eigene Sichtweise zu öffnen. In der Folge werden häufig einzelne Ideen und Ansätze miteinander kombiniert, welches wiederum zu gänzlich neuen Lösungswegen führen kann. Denn Herausforderungen sind zu wichtig, um sie nur von einem Standpunkt aus zu betrachten.

Was passiert beim Design Thinking?

In einem ersten Schritt wird innerhalb der Gruppe die Problematik oder auch Herausforderung genau definiert und analysiert. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die Personen gelegt, die direkt betroffen sind. Fragestellungen sind unter anderem: Wer ist die Zielgruppe und welche Anliegen haben die betroffenen Personen? Welche Probleme wurden im Vorfeld genauestens angesprochen und welche nicht? In welchem Zeitraum soll das Problem gelöst werden?

Aufgrund der gesammelten Informationen wird im Anschluss eine Musterperson definiert, die als Orientierung während des gesamten Lösungsprozesses dienen soll.

Hauptregel des Design Thinking: Jeder Gedanke ist erlaubt! Im Zuge der Ideen- und Lösungsfindung werden alle bekannten Kreativitäts- und Brainstormingtechniken angewandt, wobei die visuelle Darstellungsform im Vordergrund steht – Gedanken sollen sicht- und greifbar gemacht werden.

Die gesammelten Ideen werden in einem weiteren Schritt selektiert, rekombiniert und zu einem Prototypen herausgearbeitet. Hierbei entstehen oft weitere Ideen und Verfeinerungen, da das Zusammenspiel unterschiedlicher Sichtweisen und Ansätze die wohl wichtigste Komponente des Design Thinking ist.

Mit Hilfe des Prototypen wird nun deutlich ob und wie die ausgewählten Lösungswege funktionieren, wo sich weitere Fehler verstecken könnten, wie man diese verhindert und das Ergebnis weiter optimieren kann. Doch ist ein mögliches Scheitern des Prototypen kein Beinbruch, denn im Scheitern besteht die Möglichkeit diverse Anfangsschritte noch einmal zu durchwandern, um die Lösung zu überdenken, neue Prototypen auszuarbeiten oder den ersten zu überarbeiten, bis eine zufriedenstellende und funktionierende Lösung gefunden worden ist.

Design Thinking in der Schule

Projekte an Schulen

Komplexe Probleme, wie etwa die Integration von Schülerinnen und Schülern im interkulturellen Kontext oder die Gestaltung eines gesunden und gleichzeitig kostengünstigen Schulessens, können mit diesem Ansatz aus verschiedenen Nutzerperspektiven wahrgenommen und durch die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen bearbeitet werden.

Design Thinking als innovative Lehr- und Lernmethode für den Unterricht

In der Schule werden Probleme didaktisch meist so reduziert, dass sie im Idealfall von jeder Schülerin und jedem Schüler in Einzelarbeit gelöst werden können. Dadurch lernen die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit den Inhalten und werden individuell gefördert. Außerhalb von Schule werden die Heranwachsenden dagegen mit komplexeren Problemen konfrontiert, die auch von ihren Lehrenden nicht gemeistert werden können. Althergebrachte Lösungsmuster reichen nicht aus, um vielschichtige Herausforderungen zu bewältigen, wie etwa die Klimaerwärmung, die steigende Komplexität des Lebens durch die Globalisierung oder die voranschreitende Alterung unserer Gesellschaft. Wenn wir unsere Gesellschaft aktiv gestalten und positiv verändern wollen, ist ein kreativer Umgang mit Herausforderungen erforderlich. Design Thinking kann dabei helfen, indem es dazu anleitet, Inhalte zu kombinieren, Fähigkeiten im Team gemeinsam zu nutzen und die Grenzen der Fächer zu überwinden. Design Thinking ist zwar kein Allheilmittel, wohl aber eine Chance, alternative Herangehensweisen auch für den Schulalltag aufzuzeigen und sie dort zu etablieren.

Die Arbeit im »Design Thinking-Modus« fördert unterschiedliche Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler:

- Problemlösungs-Kompetenzen im Team

- Sozial- und Team-Kompetenzen

- Projekt-Kompetenzen

- Kreatives Selbstbewusstsein

- Feedback- und Fehlerkultur

Auch Lehrende können aus der Beschäftigung mit Design Thinking in ihrem eigenen Schulalltag einen Nutzen ziehen.

- Unterrichtsvorbereitung - im Team oder alleine:

Design Thinking bietet ein Methoden-Set, das bei der Gestaltung von schülerinnen- und schülerzentrierten Unterrichtskonzepten und -materialien in der Teamarbeit unter Lehrenden eine Hilfestellung bietet. Lehrende können das erworbene Wissen und die Methoden auch allein ohne Team anwenden. Die Methoden helfen, neue Denkweisen, Perspektiven und Bedürfnisse in die Unterrichtsvorbereitung einzubinden.

- Unterrichtsgestaltung:

Das Methoden-Set der Lehrenden wird durch vielfältige und inspirierende Design Thinking-Instrumente erweitert, die auch im Unterricht eingesetzt werden können. Diese Methoden können auch auf andere Formate ausgeweitet werden, etwa auf Zeugniskonferenzen oder Besprechungen. Sie helfen, empathischer zu reagieren und produktiver zu arbeiten.

- Feedback- und Fehlerkultur:

Durch offene Feedback-Methoden im Design Thinking lässt sich die Zusammenarbeit von Lehrenden erleichtern und bereichern.

Die Hopp Foundation unterstützt Lehrerinnen und Lehrer beim Einsatz der Methode "Design Thinking" als innovative Lehr- und Lernmethode für den Unterricht und für die Steuerung von Projekten.

Informationen zu den Design Thinking-Fördermöglichkeiten durch die Hopp Foundation finden Sie hier. Zudem bietet die Hopp Foundation Lehrer-Workshops zum Thema Design Thinking an. Zur Zeit entwickelt die Hopp Foundation in Kooperation mit den Design Thinking-Experten der Firma INNOKI ein Lehrerhandbuch, in welchem Design Thinking im Schulkontext erläutert wird. Dieses wird ab Frühjahr 2017 für interessierte Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Detailinformationen zu dem Design Thinking-Lehrerhandbuch finden Sie hier.